Aktuelles
20 Jahre Holthauser Mühle

Die Holthauser Mühle, Fachklinik zur Entwöhnung von Drogenabhängigen, wurde am 2. November 1989 als eigenständige Behandlungseinheit der Fachklinik Fredeburg eröffnet. Am 7. Dezember konnte der erste Patient* aufgenommen werden.
Im Rahmen des Ehemaligentreffens feierte die Mühle ihr 20-jähriges Jubiläum. Herzlich eingeladen waren neben den Ehemaligen auch Mitarbeiter, Freunde und Kooperationspartner, z. B. Beratungsstellen des Hauses.
Angestoßen wurde das Projekt „Holthauser Mühle“ durch die Deutsche Rentenversicherung Bund (vormals BfA), die Behandlungsplätze für ihre drogenabhängigen Versicherten benötigte. Die DRV Bund ist nach wie vor der federführende Kostenträger unserer Einrichtung, daneben werden wir auch von den anderen Rentenversicherungsträgern, Krankenkassen und Sozialhilfeträgern belegt.
Eltern mit Begleitkindern
Einzigartig war damals und ist bis heute die Möglichkeit, Mütter, Väter und Elternpaare aufzunehmen und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, ihre Kinder mit in die Therapie zu bringen. Eines der vier Wohnhäuser, in denen jeweils eine Therapiegruppe lebt, ist räumlich und von der Ausstattung her den besonderen Bedürfnissen bei der Unterbringung von Kindern angepasst. Über viele Jahre hinweg wurde von der Mühle selbst ein Kindergarten betrieben. Heute wird der Nachwuchs unserer Patienten tagsüber in der Kindertagesstätte der Internistisch-Psychosomatischen Fachklinik Hochsauerland pädagogisch betreut.
Die Therapie erfolgt in gemischt-geschlechtlichen Gruppen. Indikativ werden darüber hinaus eine Frauen- und eine Männergruppe angeboten. Die Holthauser Mühle rundet das Leistungsspektrum der AKG-Klinikgruppe
zusammen mit weiteren Einrichtungen ab:
- Fachklinik Hochsauerland
- Fachklinik Fredeburg
- Fachklinik Furth im Wald
- St. Georg Krankenhaus
- Dialysezentrum
- Therapiezentrum
- Medizinisches Versorgungszentrum
Dazu gehören u. a.:
- Psychiatrische Erkrankungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Neurotische und psychosomatische Störungen
- Traumafolgestörungen
- ADHS
- Essstörungen
- Pathologisches Glücksspiel und pathologischer PCGebrauch
Drogenszenen- und Konsummusterwandel
Vor zwanzig Jahren betrug die Behandlungszeit noch ein Jahr, aktuell sind es (bei einer Erstbehandlung) 26 Wochen. So wie die Aufenthaltsdauer haben sich auch Drogenszene und Konsummuster im Laufe der letzten Jahre erheblich gewandelt. In den ersten zehn Jahren waren es vorwiegend Heroinabhängige, die behandelt wurden. Heute ist die Gruppe der Mehrfachabhängigen und der Cannabis- und Amphetaminkonsumenten in der Überzahl. Dieser Wandel erfordert eine ständige Reflexion der Therapieangebote und die Entwicklung weiterführender Konzepte, um diesen
neuen Patientengruppen gerecht zu werden. Die Fachklinik Fredeburg und die Holthauser Mühle halten ein gemeinsames Konzept für die Behandlung von Patienten mit einer Cannabisabhängigkeit als Hauptdiagnose vor. Indikativ können je nach sozialer Integration, Vorgeschichte, Konsummuster und Alter diese Patienten in beiden Kliniken in gemischten Gruppen behandelt werden.
Kriterien für die Zuweisung
das Drogenkonsummuster
- bei Abhängigkeit von Cannabis und Alkohol sollte eine Behandlung vorzugsweise in der Fachklinik Fredeburg stattfinden
- bei Abhängigkeit von Cannabis in Verbindung mit anderen Drogen eher in der Holthauser Mühle
die soziale Situation
- bei weitgehend erhaltener sozialer und beruflicher Integration ist eher eine Behandlung in der Fachklinik Fredeburg indiziert
- bei erheblichen Defiziten in diesem Bereich eher die Holthauser Mühle (z.B. intensivere Förderung im arbeitstherapeutischen Bereich möglich, größeres Ausmaß an sozialtherapeutischen Behandlungselementen)
der somatische Status
- bei schwereren körperlichen Begleiterkrankungen ist eine Behandlung in der Fachklinik Fredeburg aufgrund der dort vorhandenen fachärztlichen Ressourcen vorteilhaft
der Wunsch des Patienten und der zuweisenden Stellen
Wir empfehlen im Vorfeld die (z. B. telefonische) Kontaktaufnahme, um gemeinsam die „richtige“ Einrichtung auszuwählen. Natürlich ist auch ein Informationsgespräch vor Ort im Vorfeld kurzfristig nach vorheriger Anmeldung möglich, um die Klinik näher kennen zu lernen. Diese Einladung gilt im Übrigen für alle AKG Kliniken am Standort Bad Fredeburg.
"Can stop" - Projekt für Cannabisabhängige
Mit einer speziellen Cannabisgruppe hat sich die Holthauser Mühle an dem „Can Stop“ Projekt des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf unter Leitung von Prof. Dr. R. Thomasius beteiligt. Dies ermöglicht eine sehr passgenaue Zuweisung und individuelle Behandlungsplanung sowie eine sehr konkret am Patienten orientierte und damit erfolgversprechende Rehabilitation.
Das psychoedukative Gruppentraining umfasst acht standardisierte Module. Inhalte sind u. a. Basisinformationen zu Cannabis, die kritische Reflexion des eigenen Konsums, der Umgang mit Gefühlen, Ablehnungstraining, Rückfallprävention etc. „Can Stop“ ist damit ein wichtiger Therapiebaustein im Gesamtbehandlungsspektrum der in den letzten Jahren stetig gestiegenen Gruppe der Cannabisabhängigen in der Holthauser Mühle.
Nach Abschluss der Entwöhnungsbehandlung entschließen sich manche Patienten, im Hochsauerland zu bleiben und hier, weit weg von der alten Drogenszene, einen drogenfreien Neubeginn zu wagen.
Diesen Patienten bieten wir eine 16 Adaptionsmaßnahme in Bad Fredeburg an. Sie werden in diesem Zeitraum weiter einzel- und gruppentherapeutisch betreut, führen Arbeitsbelastungserprobungen in Betrieben in der Region durch und versorgen sich mit Hilfestellung unserer Mitarbeiter selber. Die Unterbringung erfolgt in vier Appartements, die sich in einem gesonderten Trakt der Fachklinik Fredeburg befinden. Nach Beendigung der stationären Behandlung folgt eine ambulante Betreuung bis zu einem Jahr, um den Übergang zu einem eigenverantwortlichen, abstinenten Leben zu unterstützen.
Brigitte Reuter-Markowsky
Leiterin der Holthauser Mühle
Heinz-Willi Lahme
Öffentlichkeitsarbeit